Ritenstreit

(el) Während sich in Amerika „geistliche und weltliche Macht verschränkten“ (Literatur Wendt, Begegnungen, 75), waren die Missionare in Asien auf sich allein gestellt und mussten deshalb ihre Methoden der Missionierung möglichst an die dortige Kultur anpassen. Diese Akkomodation genannte Strategie verfolgten die Jesuiten in China, unter ihnen Alessandro Valignano (1539-1606), Matteo Ricci (1552-1610) und Roberto de Nobili (1577-1656), in dem sie sich in Kleidung und Verhalten den einflussreichen konfuzianischen Literaten anpassten und versuchten, eine Verbindung zwischen Christentum und Konfuzianismus herzustellen sowie „kulturelle Traditionen mit christlichen Vorstellungen zu harmonisieren“ (Literatur Wendt, Begegnungen, 76).

Zu der Anpassungsmethode, mit der eine Missionierung der oberen Schichten erreicht wurde, gehörte die Beibehaltung der in China für jeden selbstverständlichen Konfuzius- und Ahnenriten sowie die Übersetzung von Kernbegriffen der christlichen Lehre in die asiatischen Sprachen. Seit 1631 gelangten in China jedoch auch Bettelorden (Franziskaner und Dominikaner), die diese Anpassung ablehnten, zu Einfluss und verzeichneten v.a. Erfolge bei der Bekehrung der Unterschichten. Die Auseinandersetzungen um den Grad der Akkomodation und die Vereinbarkeit der chinesischen Riten mit christlichen Vorstellungen führte 1704 zu einem Verbot der chinesischen Riten durch Papst Clemens XI.. Offiziell beendet wurde der Ritenstreit in China erst 1742 mit einer weiteren Bulle von Papst Benedikt XIV, durch die die chinesischen Riten endgültig verworfen wurden. Durch das Verbot der Akkomodation wandten sich viele Chinesen wieder vom Christentum ab; der Erfolg der jesuitischen Mission liegt somit weniger in einer Christianisierung, als vielmehr im Bereich der Vermittlung technischer, wissenschaftlicher und kultureller Innovationen aus Europa, v.a. im Bereich der Glossar Astronomie. (Literatur Schmitt, Kolonialreiche, 483-484; Literatur Reinhard, Expansion Bd. 1, 184ff., Literatur Gründer, Welteroberung, 258ff.)

 

Quelle: Verbot der chinesischen Riten durch Papst Clemens XI. (1704)

(el) Während sich in Amerika „geistliche und weltliche Macht verschränkten“ (Wendt, Begegnungen, 75), waren die Missionare in Asien auf sich allein gestellt und mussten deshalb ihre Methoden der Missionierung möglichst an die dortige Kultur anpassen. Diese Akkomodation genannte Strategie verfolgten die Jesuiten in China, unter ihnen Alessandro Valignano (1539-1606), Matteo Ricci (1552-1610) und Roberto de Nobili (1577-1656), in dem sie sich in Kleidung und Verhalten den einflussreichen konfuzianischen Literaten anpassten und versuchten, eine Verbindung zwischen Christentum und Konfuzianismus herzustellen sowie „kulturelle Traditionen mit christlichen Vorstellungen zu harmonisieren“ (Wendt, Begegnungen, 76). 
Zu der Anpassungsmethode, mit der eine Missionierung der oberen Schichten erreicht wurde, gehörte die Beibehaltung der in China für jeden selbstverständlichen Konfuzius- und Ahnenriten sowie die Übersetzung von Kernbegriffen der christlichen Lehre in die asiatischen Sprachen. Seit 1631 gelangten in China jedoch auch Bettelorden (Franziskaner und Dominikaner), die diese Anpassung ablehnten, zu Einfluss und verzeichneten v.a. Erfolge bei der Bekehrung der Unterschichten. Die Auseinandersetzungen um den Grad der Akkomodation und die Vereinbarkeit der chinesischen Riten mit christlichen Vorstellungen führte 1704 zu einem Verbot der chinesischen Riten durch Papst Clemens XI.. Offiziell beendet wurde der Ritenstreit in China erst 1742 mit einer weiteren Bulle von Papst Benedikt XIV, durch die die chinesischen Riten endgültig verworfen wurden. Durch das Verbot der Akkomodation wandten sich viele Chinesen wieder vom Christentum ab; der Erfolg der jesuitischen Mission liegt somit weniger in einer Christianisierung, als vielmehr im Bereich der Vermittlung technischer, wissenschaftlicher und kultureller Innovationen aus Europa, v.a. im Bereich der Astronomie. (Schmitt, Kolonialreiche, 483-484; Reinhard, Expansion Bd. 1, 184ff., Gründer, Welteroberung, 258ff.)